Beweis und Bewerbung: Warum Eberl bei Dier trotzdem ausweicht 

 

Eric Dier bleibt ein äußerst zuverlässiger Spieler beim FC Bayern. Müssen die Bosse nochmal umdenken?

Bayerns Verteidiger empfiehlt sich erneut

Harry Kane findet es grundsätzlich gar nicht gut, beim Betreten der Allianz-Arena rechts abzubiegen und nicht, wie eigentlich immer, auf den Platz zu laufen. „Ich hasse es zuzuschauen“, bestätigte der Engländer am Sonntagabend, nach dem 4:0 seiner Bayern gegen Frankfurt.

Eine Einblutung in der Wade hatte dazu geführt, dass Kane im Training kürzertreten und gegen die Eintracht eben erstmal auf der Bank Platz nehmen musste. Dort verzog der Toptorjäger der Bundesliga ein bis drei interpretationswürdige Grimassen, durfte insgesamt aber recht zufrieden sein mit der Leistung der Kollegen. „Mit dem Ball war es wirklich gut, aber gegen den Ball war es der größte Unterschied zu den vergangenen Spielen.“

Energischer waren die Bayern aufgetreten, mit mehr Spielfreude und Konsequenz als zuletzt. Und dass hinten bis auf die erste Chance des Spiels (Ekitiké) gar nichts anbrannte, war unter anderem auch Eric Dier zu verdanken, der sich wie eigentlich immer als extrem zuverlässiger Innenverteidiger präsentierte.

„Immer, wenn Eric eingesprungen ist, war das Level sogar noch höher.“ (Harry Kane über Eric Dier)

Der Engländer, vor 13 Monaten von Tottenham Hotspur verpflichtet, kam eigentlich als Ergänzungsspieler nach München, erspielte sich unter Thomas Tuchel aber aufgrund der Verletzungen, Abwesenheiten und Wackler der Kollegen schnell einen Stammplatz. Und selbst als dieser unter Vincent Kompany in ganz weite Ferne rückte, blieb Dier ein geräuschloser Musterschüler, dem Joshua Kimmich selbst ungefragt ein Sonderlob aussprach. Der immer dann, wenn er gebraucht wurde, ohne Fehl und Tadel seinen Job ausführte.

„Er spielt herausragend“, lobt Kane, der seinen Landsmann aus einem gemeinsamen Jahrzehnt in Nordlondon besser kennt als alle anderen im Kader. „Er war ein wichtiger Teil unseres Champions-League-Laufs letztes Jahr. Er war einer der konstantesten Spieler, die wir hatten. In dieser Saison hat er auf seine Chance gewartet, Upa (Dayot Upamecano, Anm. d. Red.) und Min-Jae haben es sehr gut gemacht. Aber immer, wenn Eric eingesprungen ist, war das Level sogar noch höher. Von Anfang bis Ende war er herausragend heute.“

Dier bringt gewiss nicht Kims Geschwindigkeit oder Upamecanos Athletik mit, dafür agiert der 49-malige Nationalspieler aber weitaus umsichtiger, souveräner und abgeklärter. Die Fehler, die gerade Kim in der Champions League unterlaufen, blieben bei Dier bislang aus. Weshalb er von allen Bayern-Verteidigern auch (bei deutlich weniger Einsätzen) den besten kicker-Notenschnitt aufweist (2,7 in der Bundesliga, 3,0 in der CL).

Unter Ange Postecoglou blieb Dier bei Tottenham ohne Chance, für die englische Nationalmannschaft lief er letztmals 2022 auf. „Ich glaube nicht, dass ich in England immer eine faire Chance bekommen habe“, sagte er deshalb am Sonntag bei ESPN. „Das hat mich natürlich motiviert, als ich hierhin gekommen bin. Natürlich bin ich auf einfach so motiviert, Gutes für diesen Klub zu tun. So gut zu spielen, wie ich kann. Dem Team zu helfen.“

Vor dem Beginn der Rückrunde sah der Stand beim FC Bayern so aus, dass Diers im Sommer auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Müssen Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund aufgrund der zuletzt gezeigten Leistungen nochmal umdenken? „Er hat sehr, sehr gut gespielt“, gestand Eberl. „Den Wert von Eric Dier kennen wir. Und trotzdem hast du eine Kaderpolitik, die du entscheiden musst.“

Gerade erst hat der deutsche Rekordmeister mit Alphonso Davies und Jamal Musiala verlängert, Joshua Kimmich soll alsbald folgen. Und irgendwann muss Eberl eben auch Geld sparen. „Wenn ich jetzt alle verlängere und noch drei Spieler hole, dann weiß ich nicht, ob das funktionieren kann. Genau in dem Kontext müssen wir uns bewegen. Was können wir? Was wollen wir? Ist es sinnvoll? Ist Verlängern sinnvoll? Ist es sinnvoll, was Externes dazuzuholen? Das sind die Entscheidungen, die wir zu treffen haben.“

Einen im Kader hoch angesehenen, noch dazu zuverlässigen Ergänzungsspieler zu halten, der sicherlich nicht zu den Großverdienern zählen wird, klingt zumindest erstmal recht sinnvoll.

 

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